Im Herzen der maltesischen Hauptstadt Valletta, die seit 1980 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, befindet sich der Großmeisterpalast. Dieser Palast wurde als Hauptveranstaltungsort für die EU-Ratspräsidentschaft von Malta ausgewählt. Dort werden verschiedene hochrangige Treffen und Ministerkonferenzen stattfinden. Der Großmeisterpalast wurde 1571 nach den Plänen von Girolamo Cassar begonnen und spielte in seiner langen Geschichte immer eine zentrale Rolle in der maltesischen Politikgestaltung.
 
Zu Zeiten des Johanniterordens residierten im Palast die verschiedenen Großmeister. Während der englischen Kolonialherrschaft diente der Palast als Amtssitz der britischen Gouverneure. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und anschließend wieder aufgebaut und dabei architektonisch bereichert. Nach Maltas Unabhängigkeit im Jahr 1964 residierte im Palast das Repräsentantenhaus und führte damit die Geschichte der Machtgestaltung fort. Das Repräsentantenhaus zog kürzlich in ein neues Parlamentsgebäude ein, das sich unmittelbar hinter dem ebenfalls neuen Stadttor befindet. Der Großmeisterpalast ist jedoch immer noch Sitz des Staatspräsidenten der Republik Malta.
 
Im Inneren des Gebäudes befinden sich vier Staatsgemächer. Der Ratssaal (Council Chamber) imponiert durch die Ausschmückung mit einer Sammlung an Wandgobelins. Diese wurden in Frankreich gewebt und waren eine Schenkung an den spanischen Großmeister Ramón Perellos y Roccaful. Die Wandgobelins sind nahezu 300 Jahre alt und schildern exotische Jagdszenen aus der Karibik, Südamerika, Indien und Afrika. Sie befinden sich heute noch in ihrem Originalzustand. Der Staatsspeisesaal (State Dining Room) wird durch ein Gemälde der britischen Königin Elizabeth II sowie durch Porträts aller maltesischen Präsidenten geziert. Im großen Ratssaal (Hall of the Supreme Council of the Knights), auch als Thronzimmer bezeichnet, kann man einen zwölfteiligen Zyklus an Friesgemälden bestaunen, die die große Belagerung von 1565 schildern. Sie wurden von Mattia Perez d’Aleccio gemalt. Im Roten Salon, dem Botschaftszimmer, befinden sich Porträts der Großmeister und anderer Gouverneure sowie eine Fries mit Szenen der Ordensgeschichte. Der Großmeister hieß in diesem Zimmer wichtige Gäste willkommen. Und auch heute werden hier politische Vertreter aus der ganzen Welt begrüßt.

Der Großmeisterpalast, begonnen 1571, ist eines der ersten Gebäude, die in Valletta errichtet wurden. Der Palast beherbergt auch die Armoury, eine der weltweit größten Rüstungs- und Waffenkammern. Die Sammlung enthält Ausstellungsstücke, die zum Besitz des Ritterordens zählten und heute noch in ihrem Originalzustand erhalten sind.  Offiziell eröffnet wurde die Waffenkammer 1860 und war damit das erste öffentliche Museum Maltas. Zu bestaunen sind die persönliche Rüstung von Großmeister La Valette, die beachtliche damaszierte Rüstung von Großmeister Alof de Wignacourt sowie eine einzigartige Sammlung an Waffen, die während der Großen Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1565 zum Einsatz kamen. Zudem werden authentische Stücke aus Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland ausgestellt. Die Waffenkammer ist derzeit in zwei Räumen untergebracht, die einst die Stallungen der Großmeister bildeten.