​Kunsthandwerk

​Die traditionelle Handwerkskunst wurde in den letzten Jahren aufgrund des unschätzbaren kulturellen Wertes wieder belebt. Handwerke wie Stricken, Körbe flechten und Klöppeln haben auf Malta lange Tradition. Heute ist das traditionelle Kunsthandwerk wieder so beliebt, dass der Markt mit den Erzeugnissen nahezu überschwemmt wird.

Andere Formen des Kunsthandwerks wie Weben und Töpfern reichen sogar in die prähistorischen Zeiten zurück. Die im Hypogäum gefundene „Schlafende Priesterin“ ist eine exquisit gearbeitete Figur aus Ton. In den Tempeln von Tarxien wurden zudem Überreste von rotgefärbten Textilien aus Flachs gefunden. Diese Funde beweisen, dass die prähistorischen Bewohner bereits über herausragende handwerkliche Fähigkeiten verfügten.

Die Araber führten um 870 die Baumwolle auf Malta ein und brachten die damit einhergehenden Fähigkeiten im Weben und Färben mit auf die Insel. Die Baumwollproduktion wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts eine große Rolle spielte. Produkte aus Baumwolle wurden zu hohen Preisen in Europa verkauft. 

Weben, Sticken und Klöppeln wurden vor allen Dingen von der Kirche gefördert. Diese Handarbeiten boten den Familien auf Gozo und in den ländlichen Gebieten Maltas eine Haupteinkommensquelle. Die Kleider im 17. Jahrhundert waren von höchster Finesse, so dass die Großmeister sie verboten haben; sie waren zu frivol und standen nicht im Einklang mit den religiösen Grundsätzen des Ordens. 

Zu Zeiten der Ordensritter blühte die Kunst der Gold- und Silberschmiede. So zählen filigrane Schmiedearbeiten und Schmuck zu den wertvollsten Erzeugnissen Maltas. Heute floriert die Goldschmiedeindustrie, und die Produkte maltesischer Goldschmiede können in den großen Städten im Ausland erworben werden.


Patronatsfeste

Die Patronatsfeste, oder die Festa, wie die Malteser sagen, finden den ganzen Sommer über, von Ende Mai bis September, an den Wochenenden statt. Jede Gemeinde feiert dabei den Namenstag ihres Schutzheiligen. Bei diesem Spektakel kommen alle Dorfbewohner gesellig zusammen. 

Zum Fest sind die Kirche und umliegenden Straßen mit Flaggen, Statuen aus Pappmaché und Girlanden geschmückt, und am Abend gibt es ein großes Feuerwerk zu bestaunen. Auch die Einwohner schmücken ihre Häuser und ihre Dächer in den Farben des Patronatsheiligen. Als Zeichen der Verbundenheit werden an öffentlichen Plätzen, aber auch auf Wohnhäusern Fahnen gehisst.

Eine maltesische ‚Festa‘ dauert mindestens drei Tage an. Die Straßen sind mit hunderten von Menschen übersät, die bis in die frühen Morgenstunden ausgiebig feiern. Imbissbuden stehen aneinandergereiht und verkaufen ihre traditionellen Produkte an die fröhliche Menge. Typischerweise findet man auf einer Festa das maltesische Nougat und andere herrliche Süßspeisen. Freunde und Nachbarn laden sich oft zu einem Gläschen ein und um bei der Dekoration zu helfen.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bilden imposante Straßen- und Höhenfeuerwerke, die mit lautem Getöse und einer Explosion aus Farben ein spektakuläres Ereignis bieten.


Musik und Instrumente

Es deutet vieles daraufhin, dass die traditionelle maltesische Musik von der sizilianischen Ballade und von arabischen Tönen abstammt und sich im 16. Jahrhundert zum sogenannten Għana entwickelt hat. Der Għana-Gesang ist tief in der Geschichte verwurzelt, und das aus guten Gründen. Għana wurde hoch geschätzt, hat Künste inspiriert und Bauern und Fischern dabei geholfen, ihrer täglichen Arbeit nachzugehen.

Begleitet wird die Għana-Musik meist von verschiedenen handgemachten Instrumenten, die zum Kulturerbe Maltas zählen. Die Ċuqlajta beispielsweise umfasst verschiedene Klöppel und Ratschen aus Holz und begleitet die Sänger zu den fröhlichen Reimen des Għana.

Għana wird in verschiedenen Formen gesungen, wovon einige heute noch aktiv sind. Die beliebteste Form ist das Spirtu Pront, wobei mindestens zwei Sänger einen Dialog in Liedform führen. Die Sänger müssen ihre Texte improvisieren und singen dabei über ihre Dörfer und deren Bewohner.


Spiele

Kinder haben bei der Entwicklung traditioneller Spiele eine wesentliche Rolle gespielt. Zwischen häuslichen Pflichten und formellem Schulunterricht hatten Kinder nur wenig Zeit, aber mit ihrer Vorstellungskraft und ihren einfachen Spielzeugen haben sie unweigerlich zu unserer Kultur beigetragen. Hüpfspiele und Springseilspringen haben ihren Ursprung zwar nicht in Malta, aber Kinder haben traditionelle Lieder an den Rhythmus ihrer Schritte und Hüpfer angepasst.

Lieder wie Bum Bum il-Bieb (es klopft an der Tür) oder iż-żunżana ddur ddur (Die Biene summt herum) hallten durch die labyrinthartigen Straßen Mdinas als Kinder sich auf den Weg zum Wasserholen machten. Kinder haben sich auch gern mit Rätseln wie Ħaġa Moħġaġa die Zeit vertrieben. Ältere Kinder spielten in ihrer Freizeit oft Boċċi, eine Fortführung des einfachen Murmelspiels. Boċċi ist eine der wenigen traditionellen Spiele, das sich heute noch großer Beliebtheit erfreut. Es wird heute eher von älteren Männern gespielt, die sich beim Boċċi-Spiel und einem Drink an die Zeiten von damals erinnern.

 


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