M​alta in der EU​

Die Grundlagen der Beziehung zwischen Malta und der EU wurden offiziell mit der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens im Dezember 1970 gelegt. Dieses Abkommen forderte die Schaffung einer Zollunion auf der Grundlage eines freien Handels zwischen Malta und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EGW). 

Im Juli 1990 bewarb sich Malta offiziell um die Aufnahme in die EG. Das Aufnahmegesuch wurde im Juni 1993 von der Europäischen Kommission positiv beschieden. Drei Jahre später, 1996, wurden die Aufnahmeverhandlungen jedoch vorübergehend ausgesetzt, weil ein damaliger Regierungswechsel auch einen Richtungswechsel in der EU-Annäherung bedeutete.  In den folgenden Jahren teilte Malta jedoch den Wunsch mit „eine enge Beziehung zur Europäischen Union zu unterhalten mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen und geopolitischen Besonderheiten von Malta und unter Berücksichtigung des Besitzstandes sowie des Handlungsrahmens der Union“.

Im Februar 1998 legte die Europäische Kommission dem Rat einen Aktionsplan vor. Darin wurden eine Freihandelszone sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Malta festgelegt. Nach erneuten Parlamentswahlen im September 1998 teilte Malta dem Rat seinen Wunsch mit, den EU-Beitrittsantrag wiederaufzunehmen. 

Die formellen Beitrittsverhandlungen begannen im Jahr 2000 und waren bis Ende 2002 abgeschlossen. Aufgrund der angespannten politischen Situation zu dieser Zeit mussten die Wähler dem Beitritt zustimmen. Im März 2003 wurde daher ein Referendum abgehalten, bei dem sich die Mehrheit der Wähler für den Beitritt zur EU aussprach. Nach Unterzeichnung des Beitrittsvertrags im April 2003 trat Malta am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei. Die bisher größte EU-Erweiterung umfasste auch die Aufnahme der Staaten Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien, Slowakei, Tschechien und Zypern.


EU-Mitgliedschaft: 12 Jahre später

Malta hat sich in den zwölf Jahren seit dem Beitritt zur EU in vielerlei Hinsicht verändert. Einige dieser Veränderungen sind direkt auf die EU-Mitgliedschaft zurückzuführen, während andere Umstellungen das Ergebnis der modernen Welt von heute sind. 

Malta konnte mit seinem Beitritt zur EU einerseits seine geopolitische Bedeutung als kleiner Inselstaat im Mittelmeer erneuern und andererseits grundlegende politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen wahrnehmen. Die zwölf Jahre, in denen Malta zunehmend den Anschluss an die EU gefunden hat, führten den Staat aus der Abgeschiedenheit heraus und erhöhten seine internationale Beteiligung. 

Unsere Zivilgesellschaft ist nun enger mit Europa verbunden und wird durch zusätzliche überstaatliche Gesetze geschützt. Unsere Wirtschaft hat sich überwiegend zu einer Dienstleistungsgesellschaft gewandelt, während sich die verarbeitende Industrie zur Herstellung höherwertiger Produkte verlagert hat. Zudem wurden beträchtliche Investitionen in die Infrastruktur und im Umweltbereich vorgenommen. Von den zusätzlichen Finanzierungen profitierten aber auch Kulturstätten und die Landwirtschaft. 

Außerdem ist Malta durch die Einführung des Euro nicht länger den Risiken der Verwaltung kleiner Währungen ausgesetzt. Dadurch konnte das Defizit auf ein überschaubares Niveau gesenkt werden. Die internationale Finanzkrise hat Malta dadurch ohne Auswirkungen auf seine Finanzwirtschaft überstanden. 

Als Mitglied der EU erhielt Malta die Gelegenheit, seine Meinung zu den politischen Problemen kundzutun, mit denen Europa und die Welt konfrontiert sind. In reinen Zahlen betrachtet, erscheint unser Stimmengewicht eher gering; doch im Großen und Ganzen gesehen, relativieren sich diese Zahlen wieder. So ist Malta im Europäischen Rat und im Rat der Europäischen Union mit den anderen 27 Mitgliedstaaten gleich auf. Im Europäischen Parlament ist Malta mit sechs gewählten Abgeordneten vertreten, die die EU-Agenda in Bezug auf für Malta bedeutende Angelegenheiten mitgestalten.

Zurüc​k​