Das Entscheidungssystem der Europäischen Union basiert auf einer Reihe von Verträgen, in denen die Funktionsweise der Union festgeschrieben ist. Die Verträge, die das Primärrecht der Union darstellen, bestimmen die Arbeitsweise der EU-Organe, die im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren abgeleitete Rechtsvorschriften verabschieden können. 

Dieses Verfahren wurde eingerichtet, um die bestmögliche Zusammenarbeit zwischen den Organen zu gewährleisten. Zu den wichtigsten Entscheidungsorganen gehören der Rat, der die Regierungen der Mitgliedstaaten vertritt, das Europäische Parlament, das die Völker der Union vertritt, und die Europäische Kommission, ein von den Regierungen unabhängiges Organ zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der EU.

Der Europäische Rat setzt sich aus den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten, dem Präsidenten des Europäischen Rates und dem Kommissionspräsidenten zusammen. Auch die Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik kann an Beratungen teilnehmen, wenn auswärtige Angelegenheiten erörtert werden. Der Europäische Rat bestimmt konkrete Ziele und Maßnahmen zum Erreichen dieser Ziele. Er kann mittels der „Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik“ Maßnahmen zu aktuellen internationalen Themen ergreifen. Und der Europäische Rat kann Entscheidungen zu strittigen Fragen treffen, über die der Ministerrat zu keiner Einigung gekommen ist. Dadurch kann die politische Richtung der EU als Antwort auf aktuelle Herausforderungen erneuert werden. Die Ausrichtung der EU-Politik wird dann durch den Rat der Europäischen Union mit der Verabschiedung neuer Gesetzte umgesetzt. 

Der Rat der Europäischen Union, auch als Ministerrat der EU bezeichnet, setzt sich aus den Ministern der nationalen Regierungen aller Mitgliedstaaten zusammen. Je nachdem, aus welchem Bereich Entscheidungen anstehen, nimmt der entsprechende Fachminister des Mitgliedstaates an den Tagungen des Rates teil. Der Ministerrat ist hauptsächlich als Gesetzgeber tätig. Diese Aufgabe teilt der Rat mit dem Europäischen Parlament. Der Rat und das EU-Parlament beschließen auch gemeinsam den Haushalt.

Das Europäische Parlament wird direkt von den Bürgern der EU gewählt. Das Parlament hat vor allem drei Aufgaben. Es teilt sich mit dem Rat die Gesetzgebungsbefugnis. Das Parlament stellt gemeinsam mit dem Rat den EU-Haushaltsplan auf und hat somit Einfluss auf die Ausgaben der EU. Des Weiteren beaufsichtigt das Parlament die Aktivitäten der EU und übernimmt die demokratische Kontrolle über die Europäische Kommission, indem es die alle fünf Jahre neu gewählte Kommission billigen oder ablehnen kann.

Die Europäische Kommission ist ein politisch unabhängiges Organ, das die EU repräsentiert und die Interessen der EU aufrechterhält. Die Kommission ist dem EU-Parlament gegenüber Rechenschaft schuldig. Sie macht Vorschläge für neue Rechtsvorschriften, die dem Parlament und dem Rat vorgelegt werden. Dadurch ist die Kommission für die Vergabe von Prioritäten und allgemeinen Zielvorstellungen verantwortlich. Zu diesen gehört der EU-Haushaltsplan, der sorgfältig erstellt wird, um alle politischen Bereiche ausreichend abzudecken und die EU-Politik zu verwalten. Gemeinsam mit dem Europäischen Gerichtshof wacht die Kommission über die ordnungsgemäße Anwendung des EU-Rechts und vertritt zudem die Europäische Union auf internationaler Ebene.

Dieser komplexe Prozess wurde in Gang gesetzt, um Demokratie durchzusetzen, die Werte der EU zu vermitteln, die Entwicklung voranzutreiben und vor allen Dingen im Dienste der Bürgerinnen und Bürger zu handeln.